Dirk Klose

Dirk Klose
"Blühende Abgründe"

Blühende LandschaftKunsttheorie und Kunstpraxis sind im Leben von Dirk Klose aufs Engste miteinander verbunden. Nach der Promotion in Kunstgeschichte zur Kunstphilosophie Leo von Klenzes besuchte er bis 1999 die Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Fridhelm Klein. Die Malerei Dirk Kloses führt perspektivisch den Blick zum Himmel. Wir alle kennen diese Perspektive von barocken Deckengemälden und aus der Kirchenmalerei, die seit dieser Zeit nicht mehr als eigenständiges Thema behandelt wurde. Dirk Klose greift in seinen Landschaftsbildern und Porträts diese abgebrochene Tradition wieder auf und führt sie weiter. Auf den ersten Blick mag man angesichts seiner Landschaftsbilder etwas irritiert sein, zeigen sie doch scheinbar harmlos-bukolische Naturidyllen, wie man sie vielleicht eher aus dem 19. Jahrhundert, vielleicht auch noch aus dem deutschen Spätimpressionismus kennt. Kann man Natur heute, zu Zeiten von Atomkraftwerken und Hochindustrialisierung, noch so empfinden, kann man sie heute noch so darstellen? mag man sich da fragen. Sucht man nach einem Schlüssel zum Verständnis dieser Naturstücke, so fällt zunächst einmal die ungewöhnliche Perspektive auf. Nahezu ausnahmslos wählt Klose höchst ungewöhnliche Blickwinkel auf die Natur, die sich von unserer eigenen natürlichen Wahrnehmung grundsätzlich unterscheiden. Blühende Landschaft

Da gibt es etwa die Himmelstondi in denen der Naturausschnitt kreisrund innerhalb eines quadratischen Formats erscheint. Vor unseren Augen breitet sich Natur nicht etwa als ein weites Kontinuum aus, sondern als eng begrenzter hortus conclusus, bedrängt und eingeengt von der Übermacht der Perspektive, Fremdkörper in einem gänzlich anders gestaltetem Umfeld. Diese Perspektive öffnet keinen illusionistischen Blick in eine Himmelswelt, wie ein flüchtiger Blick in Anlehnung an die barocke oder gar aus der Renaissance stammenden Deckenmalerei - man denke etwa an Mantegnas camera degli posi in Mantua - vielleicht suggerieren könnte, sondern zeigt im Gegenteil den Blick in einen Konvexspiegel, der die natürliche Perspektive in eine 360-Grad-Panorama-Ansicht verzerrt. Gleichzeitig suggeriert diese Perspektive auch den Blick durch ein Schlüsselloch oder Bullauge - der Betrachter erscheint von der Natur ausgeschlossen und entfremdet.

Badende

Man kann diese spezielle Perspektive auch durchaus historisch lesen: Nicht nur die Landschaft selbst ist uns fremd geworden und in die Ferne gerückt, sondern auch die Darstellung der Landschaft; Landschaftsmalerei, so wie Klose sie uns hier vorführt, gleicht demnach einem museal gewordenem Diorama: Es ist ein Blick durch ein spezielles Schau-Fenster auf eine Natur, deren Grenzen genau abgesteckt sind als ein vordefinierter Raum. In seinen jüngeren, seit 2003 entstandenen Arbeiten bringt Klose auch inhaltlich zunehmend Konfliktstoffe in das Naturthema, das in unserer Erwartungshaltung traditionell eher mit Harmonie, Natürlichkeit und heiler Welt verknüpft ist. In der Serie der Badenden etwa ist es nicht nur das bedrückend enge, schmale Hochformat, das die Idylle stört. Klose wählt hier scheinbar harmlose Badeszenen mit kleinen Kindern als Thema. Über verschiedene Bildmittel kommt jedoch unterschwellig etwas unangenehm Voyeuristisches dazu, das die Idylle unterhöhlt und zersetzt. Die Nacktheit der Kinder mag man bei manchen der Posen nicht mehr als natürlich-kindlich empfinden, und in Verbindung mit der Unschärfe, die den verbotenen Blick durch das Fernglas suggeriert, mischen sich dunkle Ahnungen in die harmlose Bade-Idylle.

Dass solche Empfindungen keineswegs subjektive Phantastereien sind, sondern vom Künstler sorgfältig inszeniert werden, zeigt sich etwa an den Titeln, mit denen solche Assoziationen erschlossen werden. Blue Velvet - Blühende Landschaft nennt Klose eine Blumenidylle, die mit ihren roten und gelben Farbtupfern schon fast schmerzhaft-kitschige Farbakzente setzt. Thema in David Lynchs Kult-Film Blue Velvet (USA 1986), auf den sich Klose hier bezieht, sind obsessive sexuelle Abgründe, die sich hinter eben solchen Fassaden kitschig-biederer Vorstadt-Idyllen auftun.

In der Bildfolge mit dem Titel Blühende Landschaft - Isokephalie von 2004 schließlich formuliert Klose noch einen weiteren Aspekt der vermeintlichen Landschaftsidyllen. In den blühenden Landschaften tauchen die verzerrten Köpfe deutscher Politiker wie Edmund Stoiber oder Gerhard Schröder auf, deren aufgesetztes Plakat-Grinsen das Gerede von "blühenden Landschaften" Lügen straft, wie sie Altbundeskanzler Helmut Kohl für die neuen Bundesländer einst prophezeit hatte: falsche Versprechungen, die leider symptomatisch für die Politikerzunft zu werden drohen. Klose entwickelt hier seine Arbeit an der Perspektive konsequent weiter. Hatte er zuvor noch Zerrspiegel benutzt, so verwendet er nun Computer-Scans, die er über Bildbearbeitungsprogramme entsprechend verzerrt und als Metapher für die verzerrte und oft genug auch ganz bewusst verzerrende Wahrnehmung der Politiker einsetzt. Und so tut sich bei Klose über den blühenden politischen Landschaften der blauweiße bayerische Himmel als Abgrund auf.

Text: Monika Reile, Reinhard Spieler

Dirk Klose - Kurzbiographie:

Dirk Klose, 1965 geb. in Frankenthal/Pfalz, in Speyer aufgewachsen - 1989-1995 Studium der Kunstgeschichte in München - 1995-1999 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, München bei Prof. Fridhelm Klein - 1998 Promotion in Kunstgeschichte - seit 2000 Atelier in München - Mai 2001 Gastaufenthalt in der Villa Romana, Florenz - seit 2003 Mitglied der APK - Oktober 2004 Gastaufenthalt in der Villa Romana, Florenz

Ausstellungen und Beteiligungen (Auswahl):

1989 Atelierausstellung, Kunstverein Speyer

1998 "Der ganze Himmel steht uns zur Verfügung", AWO Haus Speyer

1999 Ausstellung zum 4. Kunstpreis Volksbank Speyer

1999 "Licht, Form und Farbe", Kulturtage Frankenthal

2002 "Auf den Spuren Hans Purrmanns im Garten der Villa Romana, Florenz", Hans- Purrmann Haus, Speyer

2003 "Der andere Blick", Galerie Reile, München

2003 "OPEN ART - OPEN FUTURE", Rathausgalerie, München

2003 "Sommerwelten", Altes Rathaus, Schifferstadt

2004 "Künstler helfen Künstler", Benefiz-Ausstellung der APK, Landtag Mainz

Abbgebildete Werke:

1. Blue Velvet - Blühende Landschaft, Öl/Acryl, 140 x 140 cm., 2004

2. Badende, Öl/Acryl/Platte, 140 x 50 cm, 2003

3. Blühende Landschaft - Isokephalie, Öl/Acryl/Lwd, 160 x 70 cm., 2004

Ausstellungen und Aktivitäten 2005:

- "Milde Luft und süße Früchte", Ausstellung von 6 Pfälzer KünstlerInnen zu Ehren des 100-jährigen Jubiläum der Villa Romana, Florenz in Schloss Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben sowie im Landtag des Landes Rheinland-Pfalz (Juni/Juli sowie September/Oktober)

- "Politische Landschaft" im Haus der GBS in Speyer (Oktober)

- Herausgabe eines Kataloges: Dirk Klose: "Horizonte", Werke 1994-2004 mit Beiträgen von Edgar Bierende, Sigrid Feeser und Reinhard Spieler. (Geplantes Erscheinen: Juni)

 

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