Monika Eckl

MONIKA ECKL
"Bildobjekte"

Der Blick in die Tiefe - die Frage nach der menschlichen Existenz, das Unauslotbare im Jenseitigen, aber auch die Unwägbarkeiten der menschlichen Seele und des sozialen Umfeldes sind seit jeher Themen der Kunst. So auch bei Monika Eckl: Emotionale Räume bestimmen die Bildwelt der Künstlerin. Monika Eckl bringt ihre Stimmungen, Wahrnehmungen, Empfindungen und Erlebnisse aus dem tiefen Inneren ihres Unterbewußtseins heraus zu Papier - und seit neuestem auch auf die Leinwand. Diese Gefühlswelten können für den Betrachter nachvollziehbar sein, sie lassen aber auch Platz für Assoziationen, für eigene Gedanken und Gefühle wie in ihrem Zyklus "Lebensfluß". Die übereinander geschichteten, gefalteten und bemalten Papiere des Zyklus "Lebensfluß" signalisieren die Transparenz, aber auch die Vielschichtigkeit des Menschen, die Tiefgründigkeit von Innen- und Außenwelt, die Überlagerung der verschiedenen Ebenen der menschlichen Persönlichkeit. Die gekratzten, übereinander gelagerten Farbschichten und feinen Liniengeflechte stehen dabei als Metapher für fragile Seelenlandschaften.

Monika Eckl  mit Roten Ruhekissen 2003

Monika Eckl entwickelt - wie bei ihren Werken erkennbar ist - ihre Arbeiten immer zyklisch in Serien und vielfältigen Variationen an Materialien, Form und Farbe. Monika Eckls Arbeiten beziehen sich über die Grenzen ihrer Zyklen hinweg immer auch aufeinander, existieren aber selbstverständlich auch einzeln und unabhängig voneinander. Ihre Bilder gehen eine enge Beziehung zu Licht und Raum ein, sie korrespondieren mit dem Raum, fügen sich gestaltend und verändernd ein, wirken gleichsam wie Raum-Skulpturen.

Aus Versatzstücken des Alltags, die Monika Eckl bei ihrer täglichen Arbeit begegnen, entstehen ihre raumgestaltenden, dreidimensionalen Bilder. Wie Scrabbles verändern diese Arbeiten ihre Form und können wie Bausteine in die gewünschte Position gebracht und beliebig oft zusammengesetzt und verändert werden. So entstehen wundervoll transparente Raum-Skulpturen, die Titel tragen wie "Scrabble rot" oder "Scrabble grün".

Monika Eckls Bildträger bestehen meist aus Papier und Karton, die bearbeitet, verformt und übermalt und mit Transparentpapieren verfremdet und mit Kreide und Mischtechnik oder Schablonen überarbeitet werden. Die immer bewußter eingesetzte Reduktion der Bildmittel auf Linie und Strich, wobei die Linie im Vordergrund der Bilder steht, wird betont durch die zarte Farbigkeit von Blau- Grün- und Rottönen.

Die Liniengeflechte befinden sich im rhythmischen Dialog mit den Grundformen und signalisieren imaginäre Momente des Innehaltens, spiegeln aber auch die Selbstwahrnehmung des eigenen Kosmos wieder. In Arbeiten wie "Gewebe Orange" oder "Nichts ist minderwertig" treten die Strukturen stärker hervor als bisher, werden geradezu heraus gearbeitet. Die Linien verlaufen hier klar und kräftig horizontal oder vertikal. Die Muster, die im Prinzip ineinander gefaltet sind, verändern sich und beginnen sich aufzulösen.

In graphischen Arbeiten zeigt sich die spezifische Sprache eines Künstlers am deutlichsten, weil Konzepte und Ideen unmittelbar angelegt und ausprobiert werden können. Künstler entwickeln in ihren Arbeiten auf Papier einen völlig eigenständigen Charakter. Es handelt sich dabei um direkte Äußerungen des Künstlers, der sich seiner Intuition, seiner Phantasie, seinem Sinn für Improvisation und dem unmittelbaren Aufzeichnen von Gefühlen widmen kann. Dies trifft in besonderem Maße auf die Künstlerin Monika Eckl zu, denn auch Monika Eckl arbeitet vorwiegend mit Papier.

Die Arbeiten des Zyklus "RuheKissen" stellen den dreidimensionalen Übergang vom Tafelbild hin zur Skulptur und Installation dar und markieren somit einen wichtigen Wandel in Monika Eckls Werk. Die aus transparenten Papieren genähten "RuheKissen" sind mit aktuellen Zeitungsausschnitten gefüllt, die die alltäglichen kleinen und großen Katastrophen beschreiben, und die uns neben nützlichen Informationen auch mit einer Flut von Belanglosem und Horrormeldungen überschwemmen, und die damit den Gegensatz von dem verkörpern, was wir Menschen suchen: innere Ruhe, Muße, Entspannung und Frieden. Auf den ersten Blick lädt die Kissenparade zum Ausruhen ein, sie signalisiert aber eine trügerische Geborgenheit, da die bemalten Objekte sich der realen Funktion eines Kissens verweigern. Bemalt mit geschichteten, ornamentalen und geometrischen Mustern, verkörpert die Serie "RuheKissen" die Sehnsucht nach Sicherheit in einer gefährdeten Welt.

Der RuheKissen Zyklus "11. September", umfaßt insgesamt 30 gelbe "RuheKissen", die alle im September 2004 anläßlich einer Ausstellung in der Galerie Reile in München entstanden sind. Gefüllt wurden nur 11 Kissen mit den jeweils tagesaktuellen Zeitungsausschnitten, die anderen sind leer und weisen in eine helle und noch unbeschriebene, ungewisse Zukunft.

Monika Reile München 6. Februar 2005

"Reis" steht für die Künstlerin Monika Eckl als Symbol für Nahrung und ernährt werden, sowohl im bildlichen als auch sinnbildlichen Kontext. Mit der Serie "Reis" verläßt Monika Eckl erstmals das Papier als Bildträger und wählt die Leinwand. Taschen aus Transparentpapier werden auf die Leinwand geklebt, mit Reis gefüllt und teilweise mit floralen Mustern bemalt. Diese Reistaschen verweisen auf Wachstum und Fruchtbarkeit, auf die Körperlichkeit der menschlichen Existenz und auf das Bedürfnis nach geistiger Nahrung.

Den sich auflösenden Mustern aus Monika Eckls graphischen Arbeiten und den "Reis"-Bildern begegnen wir auch in den neuesten Leinwandarbeiten wieder mit übereinander geschichteten Schablonen. Denn seit 2004 wendet sich Monika Eckl verstärkt der Leinwand als Bildträger zu. Während ihre Arbeiten auf Papier oft üppige Farben und Muster aufweisen, sind ihre Arbeiten auf Leinwand dagegen klar strukturiert und von Form und Farbe her deutlich reduziert.

Da Monika Eckls Arbeiten den Kontakt, die Kommunikation und auch die Konfrontation mit dem Betrachter suchen, dürfen die Betrachter neugierig und gespannt sein, wohin der aktuelle Weg die Künstlerin führen wird.

Biographie Monika Eckl

1959 in München geboren, lebt und arbeitet in München

1979-1983 Studium der Kunst und Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Prof. Daucher

1983-1994 Familienpause und Kunstprojekt "Spielwerk"

seit 1995 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im in- und Ausland

Auszeichnungen

2003 Kunstförderpreis des Kunstvereins Ebersberg

2003 5. Preis der Biennale Florenz (New Media)

2004 Pasinger Kunstpreis

 

 

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